Gucken ist erlaubt
Da fährt der Kerl gemütlich Auto. Ich auf dem Beifahrersitz. Schwupp, wir stehen. Stau. Ich mache es mir gemütlich. Irgendwann geht es Schrittweise vorwärts. Ganz langsam. Als Frau mit großer Handtasche habe ich Wasser und was zum Naschen dabei - was will man mehr? Gemütlich die Leute beobachten. Alles ganz entspannt, bei mir. Und auch nur bei mir. Kerl flucht. Kerl regt sich auf. Kerl will am liebsten den Standstreifen benutzen.
Ich höre sein Gerede und Gemecker und beobachte die anderen im Auto. Der eine Herr im Anzug isst gerade ein Brot. Bestimmt hat seine Frau es ihm heute morgen für die Mittagspause geschmiert. Gut Mittagspause ist nun nicht mehr, aber ne Zwangspause hat er schon. Eine Frau wippt hin und her, was die wohl gerade hört? Und da ausm LKW schaut ein Zac Efron-Verschnitt heraus, fährt vorbei und lächelt mich an. Wow... Das Gerede vom Kerl ist leise und dann still. Ich schaue ihn an. "Und was denkst du?" höre ich. Öhm. Ich. Ich habe Menschen beobachtet, da konnte ich unmöglich noch dir zu hören.
Es ging auf unserer Fahrbahn weiter. Er stellt wohl die gleiche Frage noch mal. Zu doof, dass wir am LKW mit Zac-Fahrer vorbeifahren und dieser wieder verschmitzt grinst. Kerl fragt nicht weiter und schmollt kurz. Ich lächel vor mich hin und nach drei Minuten ist alles wieder gut. Ich schaue zu meinem Kerl und grinse diesen an. Küsse ihn. Und er regt sich wieder über den Stau auf. Ich beobachte wieder die anderen Autofahrer. Da war doch der Anzugträger von vorhin. Sein Brot hat er wohl aufgegessen, nun fummelt er ganz elegant an seinen Zähnen rum - eine Hand als Schutz davor. Elegant.
Irgendwann löst sich der Stau auf. Einfach so, als wäre nie etwas gewesen. Mit unbegrenztem Limit fahren oder fliegen wir weiter. Kerl wieder ruhig. Ich beobachte den Himmel, der sich zur Nacht hin verfärbt. Was man nicht alles Schönes bei einer Autofahrt sieht, denke ich.
10.05.2012Sommer-Kleiderschrank
Es wurde Zeit: im Kleiderschrank sollte Sommer herrschen. Die oberste Etage des Schrankes erreiche ich eh nur mit Leiter und deswegen wird sie immer als "Zwischenlager" verwendet. Sommerklamotten also runter, raus aus den vakuumisierten Beuteln und im Zimmer verteilen. Dazu noch der Inhalt der sich derzeit im Kleiderschrank befindet. Vom Boden sieht man nichts mehr und wo alles so da lag, hatte ich auch schon keine Lust mehr. Ich kam auf tolle Ideen, warum ich nicht weiter machen konnte. Der einzige Grund, das Ankommen meiner Nichte, traf aber nicht ein.
Also musste ich da wohl oder übel ran. Der Gedanke daran, dass vieles nicht mehr passen könnte (traf nicht ein) oder mir nicht mehr gefiel (traf ein) und danach eine Shopping-Runde anstand, hellte die Laune auf. Angefangen mit den Winterklamotten, die auf einem Haufen landeten. Danach dann die Jacken, Hosen, Röcke, Kleider und jede Art von Oberteil angeguckt, anprobiert, beurteilt und entschieden: Verkaufen, Müll, Kleiderschrank.
Es ging plötzlich wie von Geisterhand. Ich stand sicherlich mehr im BH rum, so schnell wie ich die Dinge an und wieder aushatte. Superwoman! Der Haufen zum Verkaufen war enorm groß. Wenn ich da an meinen Kerl denke und ich so viel bei ihm aussortieren würde, würde er bestimmt nackt rumlaufen müssen. Die Hoffnung auf den baldigen Kaufrausch stieg. Ein Blick in den sortierten Kleiderschrank: Hosen - sind genug da. Kleider - auch. Langärmliche Oberteile - joar, damit konnte man leben. T-Shirts - wow, der Stapel ist noch recht groß. Tops - ja hier sieht es ein wenig mau aus, aber nicht dramatisch. Ich schaute zufrieden meinen Schrank an. Die Winterklamotten lagen schon im "Zwischenlager", das Zimmer war wieder frei.
Moment! Es fehlten nur ein paar Tops? Sonst ist ALLES vorhanden? Das konnte nicht sein, ich schaute noch einmal. Doch so war es. Ich fand rein gar nichts, was ich wirklich BRAUCHEN würde. Nichts! Ernüchterung!!!
Ich nahm mir noch die Schubladen vor: Socken, Strumpfhosen, Unterwäsche, Bikini, Hüte/Caps, Schals, KrimsKrams. Aber auch hier: es ist alles vorhanden. Einen oder zwei BHs sind nun in der Wäsche, weil sie alt und schnödderich aussehen, wenn die nicht wie neu rauskommen, müssen Neue her. Aber sonst? Selbst Socken habe ich ohne Ende, dabei fehlten es dort letztes Jahr an allen Ecken und Enden.
Enttäuscht schließe ich das Kapitel "Sommer-Kleiderschrank". Zwar ist dieser wirklich schön aufgeräumt, aber die Vernunft und der Inhalt des Kleiderschrankes sagen: Eine Shopping-Tour muss nicht sein!
Schade...
06.05.2012
Kolumnen kennt jeder: in Zeitungen, in Zeitschriften und im Internet findet man sie. Columnen ist das Schreib-Projekt von Caro Büthe. Aktuelle Themen, wie auch Alltagsgesprächsstoff werden hier thematisiert. Mit einem zwinkernden Auge, mit erhobenen Finger und mit einer Menge Spaß am Schreiben nähert man sich hier an verschiedene Themen heran. Frauen kaufen nur Schuhe? Kapitäne verlassen sinkende Schiffe? Und vor allem: Das Leben schreibt die besten Kolumnen!
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Direkt und ehrlich! Torsten sagt was Sache ist...